Atomium-Preise 2026: Comics gegen das Schweigen
Pascal Matthey, Laurie Agusti und Désirée und Alain Frappier erzählen von Erinnerung und Gewalt. Die Atomium-Preise verbinden Sichtbarkeit mit konkreter Förderung.

Familiengeschichte, verdrängte Gewalt und Radikalisierung: Unter den am 19. September 2026 an der Brüsseler Börse ausgezeichneten Comics finden sich mehrere Entdeckungen, die persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragen verbinden.
Pascal Matthey erhält den Preis der Fédération Wallonie-Bruxelles für Du pain blanc et du chocolat (L’Employé du Moi). Aus Erinnerungen an Ferien bei seinen Großeltern in Deutschland entwickelt er eine Geschichte über Kriegserfahrungen und ihre Spuren in der Familie. Der Band setzt seine langjährige autobiografische Arbeit fort.
Laurie Agustis Rouge signal (Éditions 2042), ausgezeichnet mit dem Prix Première Atomium Galaxies BD, verbindet Thriller und dokumentarische Recherche: Ein Mann steigert sich unter dem Einfluss einer Männergruppe in Frauenhass hinein. Désirée und Alain Frappier erhalten den Grafik- und Designpreis für L’oiseau chanteur (Steinkis). Die Trennung von Text und Bildern macht darin das Schweigen über familiäre Gewalt zum gestalterischen Prinzip.
Auch Nachwuchs wird sichtbar: Adele Rhoads gewinnt mit dem Projekt V.A. den Leblanc-Preis; eine Veröffentlichung bei Casterman ist vorgesehen.
Zur Entdeckung kommt konkrete Unterstützung: Visit Brussels beziffert die Gesamtdotierung auf 85.000 Euro, einschließlich Werbeleistungen und Vorschüssen. Die Preise sollen künstlerische Arbeit ermöglichen. Der ebenfalls zum Programm gehörende Kulturerbe-Preis wird erst im Dezember vergeben.
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