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Hervé Duphot · Georges Horan-Koiransky · Drancy · ARTE · Delcourt

ARTE über „Der Zeichner von Drancy“: Zeichnen als Zeugnis der Internierung

ARTE stellt Hervé Duphots Graphic Novel „Le Dessinateur de Drancy“ vor. Der Comic basiert auf den heimlich entstandenen Skizzen und Aufzeichnungen von Georges Horan-Koiransky.

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ARTE über „Der Zeichner von Drancy“: Zeichnen als Zeugnis der Internierung

ARTE über „Der Zeichner von Drancy“: Zeichnen als Zeugnis der Internierung

ARTE richtet den Blick auf eine Graphic Novel, hinter der ein außergewöhnliches historisches Dokument steht. In dem kurzen Beitrag „Graphic Novel: Der Zeichner von Drancy“ geht es um Hervé Duphots neues Album Le Dessinateur de Drancy – Journal de Georges Horan-Koiransky 1942–1943 und um einen Mann, der das Zeichnen unter lebensbedrohlichen Bedingungen zum Mittel des Erinnerns machte.

Georges Horan-Koiransky wurde im Juli 1942 nach einer Denunziation verhaftet und im Lager Drancy bei Paris interniert. Drancy entwickelte sich während der deutschen Besatzung zu einem zentralen Sammel- und Durchgangslager für die Deportation jüdischer Menschen aus Frankreich. Hunger, Gewalt, Schikanen, Durchsuchungen und die immer wieder stattfindenden Abtransporte bestimmten den Alltag der Gefangenen.

Horan-Koiransky beobachtete diesen Alltag nicht nur – er begann, ihn heimlich festzuhalten. Während seiner Internierung entstanden mehr als 80 Skizzen. Seine Frau konnte Zeichnungen aus dem Lager herausschmuggeln und damit Zeugnisse retten, die unmittelbar aus Drancy selbst stammen.

Zeichnen gegen das Vergessen

Besonders interessant ist Horan-Koiranskys Begegnung mit René Blum, dem Bruder des früheren französischen Ministerpräsidenten Léon Blum. Beide lernten sich in Drancy kennen und verband die Idee, Zeugnis von den Zuständen im Lager abzulegen: Blum wollte schreiben, Horan-Koiransky zeichnen.

Nach seiner Freilassung im März 1943 hielt Horan-Koiransky seine Erfahrungen zusätzlich schriftlich fest. Daraus entstand sein Journal d’un interné. Seine Zeichnungen wurden später unter dem Titel Le camp de Drancy, seuil de l’enfer juif veröffentlicht.

Damit gehören seine Arbeiten zu jenen seltenen visuellen Dokumenten, die nicht rückblickend entstanden, sondern von einem Betroffenen unmittelbar während und kurz nach der Internierung geschaffen wurden.

Vom historischen Dokument zur Graphic Novel

Der französische Comiczeichner Hervé Duphot greift diese Quellen nun für seine Graphic Novel Le Dessinateur de Drancy auf. Dabei entsteht keine gewöhnliche historische Fiktion. Duphot verbindet Tagebuchaufzeichnungen, Erinnerungen und Originalzeichnungen mit seiner eigenen Comic-Erzählung und macht gleichzeitig sichtbar, auf welchen historischen Dokumenten die Geschichte beruht.

Historisch begleitet wurde das Projekt von Benoît Pouvreau, der sich seit Jahren mit Drancy und Georges Horan-Koiransky beschäftigt. Unterstützt wurde das Buch außerdem von der Fondation pour la Mémoire de la Shoah.

Die französische Hardcover-Ausgabe von Le Dessinateur de Drancy erschien am 3. September 2026 bei Éditions Delcourt. Eine deutsche Ausgabe scheint bislang nicht angekündigt zu sein. Der Titel „Der Zeichner von Drancy“ stammt entsprechend aus der deutschsprachigen Aufbereitung durch ARTE.

Original und Comic

Gerade das Verhältnis zwischen Originaldokument und moderner Graphic Novel macht das Projekt besonders interessant. Wer nach Duphots Comic tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann auch auf die ursprünglichen Arbeiten Horan-Koiranskys zurückgreifen. Sein Journal d’un interné. Drancy 1942–1943 sowie die Sammlung Le camp de Drancy, seuil de l’enfer juif. Dessins et estampes, 1942–1947 wurden später erneut veröffentlicht.

So lässt sich unmittelbar nachvollziehen, wie aus Zeichnungen eines Internierten, Tagebuchaufzeichnungen und historischen Forschungen mehr als acht Jahrzehnte später eine neue Comic-Erzählung entsteht.

Der kurze ARTE-Beitrag funktioniert deshalb nicht nur als Vorstellung einer aktuellen französischen Graphic Novel. Er erinnert zugleich daran, welche Bedeutung Zeichnungen als historische Quellen besitzen können – besonders dann, wenn Worte fehlen oder das Festhalten des Erlebten selbst bereits ein Risiko darstellt.

Weiterführende Links

• ARTE: Graphic Novel – Der Zeichner von Drancy

• Fondation pour la Mémoire de la Shoah: Le Dessinateur de Drancy

• Éditions Créaphis: Journal d’un interné – Georges Horan-Koiransky

• Mémorial de la Shoah Drancy: Dokumente und weiterführende Materialien

Cover

Das vollständige Cover

Oben wird das Motiv als breiter Ausschnitt gezeigt. Hier siehst du das Cover noch einmal vollständig und unbeschnitten.

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