ARTE: „Chère Patagonie“ erzählt Argentiniens verdrängte indigene Geschichte
ARTE widmet Jorge González’ Graphic Novel „Chère Patagonie“ einen 14-minütigen Beitrag. Der Film zeigt, wie Familiengeschichten über Tehuelche-Vorfahren und die koloniale Geschichte Patagoniens in González’ Erzählung zusammenfinden.

ARTE richtet den Blick auf eine Graphic Novel, die hierzulande tatsächlich leicht übersehen werden kann: Jorge González’ „Chère Patagonie“. In einem rund 14-minütigen Beitrag der Reihe Stadt, Land, Kunst geht es darum, wie viele Argentinier erst spät oder durch Zufall erfahren, dass ihre Familien indigene Wurzeln haben – insbesondere bei den Tehuelche. Der Beitrag ist in der ARTE-Mediathek abrufbar.
Genau solche verdrängten Familiengeschichten bilden einen Kern von González’ großformatiger Erzählung. Die Graphic Novel spannt ihren Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und verbindet die Schicksale indigener Bewohner, europäischer Einwanderer und späterer Generationen mit der Geschichte Patagoniens. Kolonisation, Migration, Rassismus und politische Umbrüche werden dabei nicht als Geschichtslektion erzählt, sondern über Menschen, Erinnerungen und eine Landschaft, die selbst fast zu einer Hauptfigur des Buches wird.
Für das Szenario arbeitete González teilweise mit den argentinischen Comicgrößen Alejandro Aguado, Hernán González und Horacio Altuna zusammen. Die französische Ausgabe erschien bei Dupuis in der renommierten Reihe Aire Libre und umfasst rund 280 Seiten. Auffällig ist auch die Veröffentlichungsgeschichte: Während das Werk bereits 2011 in Europa erschien, kam es laut ARTE erst 2024 in Lateinamerika heraus.
Für deutsche Leser gibt es dabei einen kleinen Haken: Eine reguläre deutschsprachige Ausgabe von „Chère Patagonie“ konnten wir bislang nicht finden. Auch andere wichtige Arbeiten von Jorge González wie Bandonéon, La Flamme oder Cauchemars Ex Machina sind bislang vor allem auf Französisch beziehungsweise Spanisch erhältlich. Wer mehr über den Künstler und seine Arbeiten erfahren möchte, findet auf der offiziellen Website von Jorge González weitere Illustrationen, Projekte und Einblicke in sein Werk.
Umso bemerkenswerter ist, dass ARTE dem Zeichner und seiner Graphic Novel nun auch im deutschen Programm Raum gibt. Der Film ist deshalb mehr als eine bloße Buchempfehlung: Er liefert historischen und gesellschaftlichen Kontext zu einem außergewöhnlichen Comic, dessen expressive, häufig fast malerische Bilder eine verdrängte Seite argentinischer Identität sichtbar machen.
ComicReview-Tipp: Wer Graphic Novels schätzt, die persönliche Familiengeschichten mit historischen und politischen Themen verbinden, sollte sowohl González’ Chère Patagonie als auch den begleitenden ARTE-Beitrag im Blick behalten. Vielleicht sorgt die zusätzliche Aufmerksamkeit ja sogar dafür, dass sich irgendwann auch ein deutschsprachiger Verlag des Buches annimmt.

Das vollständige Cover
Oben wird das Motiv als breiter Ausschnitt gezeigt. Hier siehst du das Cover noch einmal vollständig und unbeschnitten.
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