Hunting Down Comics #142
Daniel und Helge sind zurück – mit Horror-Anthologien, einem erstaunlich gut gealterten Superman-Klassiker, philosophierenden Waldtieren und den gewohnt ungeplanten Ausflügen in Literatur, Film und Popkultur. Warum manche Klassiker zeitlos bleiben und andere heute herrlich schräg wirken, wird dabei mindestens genauso wichtig wie die Frage, was eigentlich eine gute Limo ausmacht.
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In dieser Folge besprochen
Superman: Der Tod von Superman (Neuausgabe)
Dan Jurgens, Tom Grummett, Roger Stern, Louise Simonson und Jon Bogdanove
Panini Verlag
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Shownotes
In Hunting Down Comics 142 sind Daniel und Helge wieder dort angekommen, wo sie hingehören: zwischen Comics, Büchern, Popkultur und den kleinen Abschweifungen, die am Ende manchmal fast spannender werden als das ursprünglich geplante Thema.
Den Anfang macht Daniel mit einem ungewöhnlichen Umweg über Donna Tartts The Little Friend. Das Buch selbst konnte ihn zwar nicht vollständig überzeugen, brachte ihn aber auf die Spur klassischer Horror-Anthologien – und damit zu Super Creepshow. Zwei kurze Horrorgeschichten, Retro-Optik, Außenseiter, böse Wendungen und ein wenig von jenem Gefühl, das früher entstand, wenn Comics auf dem Schulhof weitergereicht und immer wieder gelesen wurden.
Von dort geht es fast zwangsläufig zu alten und neuen Leseerfahrungen: Saga, den Teenage Mutant Ninja Turtles und der Frage, wie viel Geld man eigentlich investieren möchte, wenn eine Serie bereits ein gutes Dutzend Bände umfasst.
Und weil Hunting Down Comics ohne Umwege kaum Hunting Down Comics wäre, führt der Weg anschließend zu Goethe, Die Leiden des jungen Werthers, Reclam-Heftchen und der Frage, warum manche jahrhundertealten Geschichten noch immer funktionieren. Daniel und Helge sprechen darüber, wie sehr die richtige Vermittlung unsere Wahrnehmung von Literatur prägt – und warum Weltliteratur für ein paar Euro eigentlich eine ziemlich großartige Sache ist.
Helge bringt anschließend einen echten Comic-Meilenstein mit: Der Tod von Superman. Die legendäre Geschichte von 1992 verkaufte sich millionenfach und ließ Superman gegen Doomsday antreten. Doch wie liest sich dieser Klassiker heute? Zwischen gewaltigen Splashpages, einem kompromisslosen Endkampf und reichlich zeittypischen Dialogen entsteht ein überraschend gemischtes Bild.
Gerade einige Alltagsszenen wirken aus heutiger Sicht herrlich antiquiert. Trotzdem entwickelt der finale Kampf eine visuelle Wucht, die Helge noch immer begeistert. Daraus entsteht eine größere Diskussion: Was lässt Geschichten gut altern? Sind zeitlose menschliche Konflikte wichtiger als aktuelle Sprache und Zeitgeist? Und kann eine bewusst historisch angesiedelte Geschichte dieses Problem vielleicht sogar umgehen?
Mit Irgendwo ist anderswo von Gus Gordon wird es danach deutlich leiser und philosophischer. Im Mittelpunkt stehen Luis, der Bär, und Pablo, der Maulwurf. Die beiden Freunde leben eigentlich ziemlich gemütlich im Wald – und fragen sich trotzdem, ob das wirklich schon alles gewesen sein kann.
Ihre Reise verbindet absurden Humor, kindliche Logik, Freundschaft und die Suche nach Bedeutung. Daniel fühlt sich dabei an Werke wie Calvin und Hobbes, Pu der Bär und Oh, wie schön ist Panama erinnert. Ein Buch, das Kinder auf einer anderen Ebene lesen können als Erwachsene und dessen liebenswerte Figuren und kleine philosophische Gedanken ihn unerwartet stark überzeugt haben.
Natürlich endet auch diese Ausgabe nicht ohne weitere Umwege: lebende Maulwürfe sind überraschend schnell, Comic-Biografien möglicherweise nicht immer notwendig, große Jubiläen für Verlage ziemlich praktisch – und Fußball kann selbst zwei Menschen beschäftigen, die eigentlich kaum Fußball schauen.
Eine Folge über alte Comics, neue Entdeckungen und die Frage, warum man manchmal erst ein wenig verloren gehen muss, um herauszufinden, wohin man eigentlich möchte.
Zuerst einmal kann ich Helge verstehen. Der Tod von Superman ist eine einzige Klopperei. In den 90ern war die B-Mannschaft in der Justice League aktiv. Guy Garner war als Green Lantern dabei. Übrigens ist der wieder ziemlich aktuell im letzten Superman Film dabei gewesen. Zu Doomsday: Ich fand das damals ziemlich cool, dass ein ganz neuer Schurke für die Storyline genommen wurde und nicht der neunzehnte Aufguss von Luthor oder Brainiac. Das macht es für den Leser auch sehr spannend und bedrohlich, dass man so gar nichts über Doomsday wusste. Es war auch ziemlich cool, Doomsday erst mit einer Hand auf den Rücken gefesselt zu zeigen und erst so nach und nach sein ganzes Potential preiszugeben. Später kam dann mit ‚Hunter Prey‘, einer dreiteiligen Miniserie, die Entstehungsgeschichte von Doomsday (auch sehr zu empfehlen). Die Panelaufteilung ist sehr bombastisch, da gebe ich Helge recht. Die Geschichte mit dem Skateboard Jungen fand ich dagegen sehr gut. Er ist stellvertretend für die Leute, die Superman langweilig finden. Superman rettet dann die ganze Familie. Nach dem Tod von Superman liefen die vier Superman Titel einige Monate ohne Superman weiter. Das war schon ein großes Ereignis in der Comicgeschichte.
Ja, das war schon cool, dass gerade diese Familie dann Hilfe von Superman benötigt, aber für heutige Verhältnisse ist das so uncool / unjugendlich / „Möchtegern“ umgesetzt…
Ja, das war ein echtes Event. Sooo schade, dass ich es nicht wirklich live miterlebt habe. Ich fand zu der Zeit alles um Image und diesen neuen Independent-Gedanken so viel reizvoller!
Ach ja, zu eurer Ausgangsfrage: Klassiker oder einfach nur alt. Der Tod von Superman ist für mich natürlich ein Klassiker, den man immer wieder lesen kann. Schon die ersten Panel sind eine Verheißung. Der Mittelteil wirkt nach all den Jahren ein bisschen gezogen und das Ende ist episch. Für mich gehört die Rückkehr von Superman einfach mit dazu und hier ist wirklich ein Stück erzählerische Comicgeschichte geschrieben worden. Es gibt da sehr viele nachhaltige Geschehnisse, wie z.B. die Zerstörung von Coast City, die bis in die Gegenwart reinreichen.
Ja, die Rückkehr fehlt leider in meinem Band völlig. Auch die Abwesenheit von Superman.
Hehe, ich überlege gerade: Es wäre wohl als Sammelband wenig reizvoll: „Kauft Superman: Er ist nicht da! 4 spannende Superman-Hefte endlich in einem Band, in denen Superman fehlt!“
Ich dachte auch erst, dass Superman Hefte ohne Superman wenig Sinn machen, aber das war damals schon ziemlich genial und ausgeklügelt. In jedem der vier Superman Hefte trat ein anderer Impostor auf und behauptete der einzig wahre Superman zu sein. Selbs Bibbo der Wirt quetschte sich mal in einem Panel in ein Superman Kostüm. Die Serie lief monatelang ohne Superman weiter und war sehr spannend und originell.
Übrigens gab es damals bei Carlsen die zwei Sammelbände unter dem Titel ‚Eine Welt ohne Superman‘ auf deutsch.
Mein letzter Klassiker war die Knightfall Reihe. „Limo-Dialoge“ gibt es da natürlich auch, aber die einzelnen Hefte sind schon auch sehr unterschiedlich. Einiges hat immer noch „Drive“ und macht auch heute noch Spaß und ist spannend erzählt. Einige Hefte aber auch extrem albern.
Daredevil von Miller z.B. ist über 10 Jahre älter und weniger „schlecht“ gealtert.
Huch, neue Folgen. Ich fürchte, das dauert noch ein bisschen, bis ich dazu komme. Aber die hier gestellte Frage, das ist natürlich meine Welt.
Ich hab damals angefangen, US-Hefte zu sammeln. Meine ersten Helden waren Spider-Man und Batman. Ich hab dann nach und nach mehr Serien ins Abo genommen (weil ich einen Sprung im Gehalt geschickt dafür nutzen konnte), und war dann kurz nach dem Tod von Superman auch bei ihm angekommen. Da natürlich die Händler damals von diesen Heften mehr geordert haben hab ich dann letztlich die reine Death-of-Superman komplett „live“ gekauft und auch gelesen. Kurz danach die Breaking of the Bat Story. Die waren beide gut.
Das sind Klassiker. Die liefen ja auch jeweils recht lange. Natürlich war nicht jedes Heft super, aber alles in allem war das richtig gute Unterhaltung. Ich kanns nur jedem empfehlen. Ich hab das mit der Bilder-pro-Seite-Aufteilung bei Death of Superman übrigens erst bemerkt, als es jemand erwähnt hat. Außer Superman 75 das ja nur aus Splashpages bestand. Darf man ja keinem erzählen, dass das schon mehr als 30 Jahre her ist.
Helge und ich freuen uns gerade echt riesig, dass ihr wieder so viel kommentiert, ergänzt und diskutiert. Genau so macht das Ganze am meisten Spaß, wenn aus einer Folge HDC ein kleiner Comic-Stammtisch in den Kommentaren wird. Danke euch dafür! 🙂