CRFF254 – Der Unterwasser Schweisser

Der Unterwasser SchweisserBewertung 8 von 10

Jeff Lemire ist einer der faszinierendsten Kreativen in der Comic Branche und mit seinem Buch „Der Unterwasser Schweisser“ zeigt er einmal mehr, dass er auch zu den Besten dieses Genres gehört. Auch wenn sich die Story eigentlich nach nicht viel anhört, mehr als Familien-Drama, ein Vater-Sohn-Beziehung, mit Ereignissen in der Kindheit die sich wie ein roter Faden bis zur Gegenwart des Buches durchziehen. Ein Protagonist der verzweifelt versucht Defizite aus der Kindheit, in seiner späteren Beziehung zu kompensieren.

Jeff Lemire hat in den vier Jahren, an denen er an dieser Geschichte gearbeitet, wieder einmal alles allein gemacht, hat also auch das Artwork gezeichnet. In seinem sehr eigenen und persönlichen Stil, der spätestens nach Essex County und erst recht nach Sweet Tooth zu seinem Markenzeichen wurde. Die Figuren wirken immer etwas krakelig und ungelenk, bringen aber durch Mimik und Körperhaltung, nonverbal alles auf den Punkt. Seine Bildersprache ist eindringlich und bewegend. Hinzukommt das er diese erzählerische Tiefe durch Bilder in schwarz-weiß erzählt, Outlines in Tusche und Schatten und Konturen mit Wasserfarben in Grauschattierungen, dieses Buch ist allein handwerklich schon ein kleines Meisterwerk.

Selbst wenn man nicht die primäre Zielgruppe für ein Drama, ist bietet dieses Buch gerade durch die Mystery Komponente das besondere etwas. Der Leser ist sich gerade durch dieses Element, der psychologischen Schwere des Themas nicht bewusst, wird es doch leicht und von der ersten bis zur letzten Seite packend erzählt. Gegen Ende verläuft die Geschichte vielleicht etwas vorhersehbar, bzw. erwartungsgemäß, was die Freude an diesem Buch und dem Thema jedoch nicht schmälert.

Dies ist einer der Bücher von Lemire, die man als Fan im Schrank stehen haben sollte. Dieses Buch ist bereits für eine Verfilmung vorgesehen, aber in meinen Augen hat „Der Unterwasser-Schweißer“ ein größeres Potential als Buch, als einer cineastischen Adaption. Es nur schwer vorstellbar, dass ein Film an die Qualität dieses Buches herankommt. Insofern ist das Medium Comic, eben doch etwas ganz besonderes.

Viel Spaß beim Hören der Besprechung zu “Der Unterwasser Schweisser“.

Der Unterwasser Schweisser
Autor: Jeff Lemire
Zeichner: Jeff Lemire
Softcover: 224 Seiten
Preis: ab 18,99 EUR
Verlag: Hinstorff

Link Tipps
The Nobody CRFF029
Sweet Tooth [01:20:47] HDC024
Royal City #1 [01:37:10] HDC037

Mehr von Jeff Lemire auf Amazon und die Bücher zum Podcast:

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1 Kommentar

  1. Crackajack Jackson

    Hallo,
    die Besprechung habe ich noch nicht gehört, hier aber mal mein Review von 2014 aus dem Panini Forum, als ich das Buch gelesen hatte:

    The Underwater Welder – Jeff Lemire
    In der Geschichte geht es um die Liebe eines Sohnes zu seinem Vater. Beim Lesen dieser Geschichte wurde ich an Hans Falladas „Der Trinker“ erinnert. Hier wie dort gerät der Antiheld in einen Strudel, aus dem er sich selbst nicht mehr befreien kann.

    Story: Jack wird Vater und ist dabei eine Familie zu gründen. Keine leichte Aufgabe, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, zumal Jacks Mutter mit seiner Wahl nicht einverstanden zu sein scheint. Die kleine Familie hat keine Freunde, die ihr helfen könnten. Das führt auch dazu, dass Jack sich nicht wohl fühlt. Alles ist kalt und leer. Für ihn ist
    es zuviel Verantwortung für seine Familie zu übernehmen, deshalb träumt er sich seine eigene Kindheit mit seinem Vater zurück, den er abgöttisch liebt. Dieser war jedoch selbst kein Familienmensch und versagte als Vater.
    Jack steht in dieser Situation hilflos neben sich und beobachtet wie sich alles wiederholt. Er wird seinem Vater (den alle außer ihm für einen Trinker und Versager halten) immer ähnlicher.
    Diese Angst zu versagen treibt Jack in die Unterwasserwelt. Nur da ist er glücklich, das ist der Ort, wo er hingehört. Dort kommt es auch zum Wiedersehen mit seinem Vater.

    Die Zeichnungen passen wunderbar zu dieser melancholischen, bittersüßen Geschichte.
    Bestimmt finden sich viele werdende Väter hier wieder.

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