CRFF206 – Wytches

CRFF205 – SaviorBewertung 10 von 10

Wytches von Scott Snyder ist ein sehr gutes Bespiel dafür, was gute Comics ausmacht. Snyder nimmt erneut das Umfeld, in der er sich am besten auskennt, dem kühlen Horror und interpretiert es aufregend neu. Spätestens seit „American Vampire“ wissen wir wie ihm dieses Genre behagt. Das interessante dabei ist, dass er mit bekannten, vermeintlich „washed-out ideas“, ausgelutschten Ideen spielt und in einem neuen aufregendem Licht erstrahlen lässt.
Hier ist es die Familie Rook, die idyllisch, etwas abseits nach New Hampshire gezogen ist, um nicht nur die Schatten der Vergangenheit zurückzulassen, sondern auch ihrer Tochter Sailor einen Neuanfang zu ermöglich. Doch der Ort ist „verflucht“ und die Vergangenheit holt auch die Tochter wieder ein. In dieser Geschichte geht es um Geister, in allen Facetten, den der Begriff ist weit gefasst und manchmal ist es einfach die Vergangenheit die einen wieder einholt. Seelen die verpfändet werden, Gegenleistungen und Behüter der Dämonen spielen in diesem Buch eine zentrale Rolle. Alles fühlt sich an wie eine Saga, eine Legende oder eine Lagerfeuergeschichte, die ein Körnchen Wahrheit enthält und dadurch nur och bedrückender wirkt und dem Leser einen Schauer über den Rück jagt. Der besondere Reiz dieser Geschichte, ist aber das Geschick, das Snyder beim Erzählen ans Werk legt, wenn er die Grenzen, zwischen eigenen Dämonen die seine Protagonisten verfolgen und Fabelwesen, aufbricht und so dieses Buch fast zu einem „Freudschen Psychogramm“ macht.
Das ganze wäre aber nicht annähernd so gut, wenn es das Artwork und die Kolorierung nicht gäbe. Ersteres kommt von Jock der schon mit „The Wake“ oder „Green Arrow“ unter Beweis gestellt hat, wie gut er Charaktere herausarbeiten kann und dichte und komplexe Szenarien entwirft, die viel Dynamik und leben aufweisen.
Aber Matt Hollingsworth vermag alldem noch das Sahnehäubchen aufzusetzen. Über viele Jahre liefere er nun schon eine hervorragende Arbeit ab, angefangen von Preacher, über Suiciders zu „Tokyo Ghost“ und immer wieder erfindet er sich dabei etwas neu. Es ist faszinierend in diesem Buch mit anzusehen, welches Level an Details und Dramatik er „nur“ mit den Farben einbringen kann. Dies ist das erste Buch in dem ich das Gefühl hatte, die statischen Bild wäre schier dynamisch und lebendig geworden. Es sind diese analogen zusätzlichen Schichten auf den Bildern, aus Wasserfarb- und Acrylklecksen, die eher wie Lens Flare Effekte anmuten, als einfach Spritzer. Solch eine Kunstfertigkeit kann den Betrachter nur begeistern.
Insgesamt ein Buch das sich deutlich in allen Kategorien abhebt und die Möglichkeiten der Comics einmal mehr unter Beweis stellt. Ein Psycho Horror Thriller vom feinsten und ein Artwork das eben alles andere als gewöhnlich ist. Von Wytches sollte man sich verzaubern lassen.

Viel Spaß mit der Podcast-Besprechung zu „Wytches“.

Wytches
Autor: Scott Snyder
Zeichner: Jock a. k. a. Mark Simpson
Farben: Matt Hollingsworth
Hardcover: 192 Seiten, farbig
Preis: 24,80EUR
Verlag: Splitter

Link Tipps:
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5 Kommentare

  1. Chrisitan

    Letzte Woche habe ich Wytches gelesen und war total begeistert. Ich habe das US TPB gelesen und muss Daniel in allen Punkten zustimmen. Story, Artwork und Colorierung sind originell und außergewöhnlich gut. Interessant fand ich auch im Anhang die Zeichnungen von Jock mal ohne Colorierung zu sehen. Die Zeichnungen sind auch b/w sehr schön, die Colorierung ändert aber die Stimmung der Panels total.
    Einziger Kritikpunkt: Gegruselt habe ich mich allerdings nur in Maßen. Wobei die Story super aufgebaut wird und Wytches diesbzgl. nicht allein stehen. So spontan fällt mir kein Comic ein, bei dem ich mich tatsächlich gegruselt hätte. Allerdings bin ich auch kein Experte in Sachen Horror Comics. Fällt euch ein Comic ein, der Angst verbreitet?
    Die 10 Punkte sind aber allemal gerechtfertigt. Nach dem tollen Review, bekomme ich sofort wieder Lust das Buch nochmal zur Hand zu nehmen.

  2. Crackajack Jackson

    Wytches habe ich nicht gelesen, aber es gibt schon Comics die einen gruseln.
    -From Hell (wurde glaube ich auch schon mal hier besprochen, oder zumindest erwähnt). Die Geschichte war wirklich gruselig.
    -Geschichten aus der Gruft (der Klassiker)
    -Williams hatte auch in den 70ern eine Serie die „Horror“ hieß und mich damals ganz schön ängstigte
    -Batman Gothic war ziemlich schauerlich
    -Batman Superband 9 wirbt auf dem Cover „Batmans unheimlichste Abenteuer“, die Stories darin sind jedoch nicht wirklich gruselig.
    Auf Platz 1 der gruseligsten Comics kommt jedoch „My little Pony“. Da habe ich mich bis jetzt noch nicht ran getraut.

  3. Daniel

    Ich glaube richtig grusselig ist schwer, aber ich mag dieses Buch auch eher wegen seiner „Psychologie“ was die Charaktere angeht.
    Aber trotzdem mal noch zwei Tipps:
    1. (Comic) Richard Matheson’s „I am Legend“
    2. (Buch) „A Head Full of Ghosts“ von Paul Tremblay
    Das Buch „A Head Full of Ghosts“ hatte eine Szene, eher wegen des Horrors, die mir unter die Haut ging, dabei war es nicht mal besonders blutig oder so, aber allein die Vorstellung was dort gemacht wurde, war schon unangenehm.

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