CRFF176 – Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan

CoverBewertung 7 von 10

Biografien funktionieren auch mit Personen die man überhaupt nicht kennt und wie dieses Buch eindrucksvoll zeigt, auch in Form eines Comics. Am Ende dieses Buches ist man dem Autor Sean Chuang und vor allem dem Land Taiwan ein ganzes Stück näher und hofft, dass es aus dem doch recht unbekannten Verlag „China Books“ bald noch mehr in dieser Richtung und vom Autor zu entdecken gibt.
Auch das Format ist ungewöhnlich, sind es doch zwei Versionen in einem, hier findet man nämlich sowohl einen deutschen , als auch einen chinesischen Teil. Dieses Buch ist somit zweisprachig Chinesisch-Deutsch.
Aber es ist die Geschichte von Sean Chuang die im Vordergrund steht, der in diesem Buch seine Kindheit noch einmal rekapituliert und in Bilder zum Leben erweckt. Mit Liebe zum Detail erzählt er wie es war und wie es sich anfühlte im Taiwan der 80er aufzuwachsen.
Der besondere Reiz dieses Buches ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass die Kultur und das Land in dem die Handlung spielt fremd und exotisch ist. Vielleicht sind es aber auch die Parallelen der eigenen Geschichte und Kindheit, die einen immer wieder innehalten lassen und das gerade gelesene und gesehene noch einmal mit seinen eigenen Erfahrungen verknüpfen lässt.
Sean Chuang hat dieses Buch selbst illustriert und legt dabei einen ganz eigenen Stil an den Tag. Wenn man bei Cover und der Herkunft vielleicht zuerst einen mangaartigen Stil vermutet, sind hier die kulturellen Wurzeln zwar sichtbar und doch hat es auch etwas modernes, wenig buntes und kitschiges. Hier wird nicht mit Rasterfolien gearbeitet, sonder durch Schraffuren und Highlights dem ganzen eine gewisse Dynamik und Lebendigkeit verliehen, die zeigt wie viel Mühe und Arbeit auch an dieser Stelle in diese Buch geflossen sind. Der Autor begreift sein Buch als dokumentarische Aufzeichnung einer Zeit und Epoche, die Mangels Fotos nun auf diese Weise zeitlos festgehalten wurde. Oft stecken die Bilder voller Details, die man sich immer und immer wieder anschauen möchte, da es wie bei alten Fotos, auch hier viel zu entdecken gibt.
Was eine gute Übersetzung ausmacht, kann man an diesem Buch in besonderem Maße sehen. Marc Hermann hat hier eine wirklich beeindruckende Arbeitet abgeliefert, hier werden nicht nur die chinesischen Schriftzeichen übersetzt, sondern die Handlung, Orte und Personen, wenn es nötig ist, noch einmal durch Fußnoten in den richtigen Kontext gesetzt.
Ein Buch, sicher nicht für jeden, da es keine klassische Geschichte mit Anfang und Ende ist, aber ein Geheimtipp für denjenigen der eine fremde Kultur und ein fremdes Land auf erfrischend authentische und zumindest für mich sehr Interessante Art und Weise kennen lernen möchte.

Viel Spaß beim Hören der Besprechung zu “Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan“.

Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan
Autor: Sean Chuang
Zeichner: Sean Chuang
Softcover: 380Seiten, teils farbig
Preis: 16,00 EUR
Verlag: China Books

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Meine 80er Jahre - Eine Jugend in Taiwan

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2 Kommentare

  1. Crackajack Jackson

    Die Geschichte hört sich für mich sehr interessant an. Ich bin gerade auf die stillen/langweiligen Momente gespannt. Irgendwie musste ich bei der Rezi an den Podcast 115 „Hier“ denken. Ist auch ein experimentelles Buch über die Zeit in der keine übliche „Geschichte“ stattfindet.
    @Helge: Was hast Du gegen die Klavierlehrerin. Spätestens seit Udo Lindenberg, der Schwarm aller Heranwachsenden. Aber die Teenagerzeit ist nicht nur aufregend. Wie Daniel schon sagte: Die schönsten Momente sind manchmal die in denen nichts passiert und in denen man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht.

  2. Crackajack Jackson

    Die Geschichte hört sich für mich sehr interessant an. Ich bin gerade auf die stillen/langweiligen Momente gespannt. Irgendwie musste ich bei der Rezi an den Podcast 115 „Hier“ denken. Ist auch ein experimentelles Buch über die Zeit in der keine übliche „Geschichte“ stattfindet.
    @Helge: Was hast Du gegen die Klavierlehrerin. Spätestens seit Udo Lindenberg, der Schwarm aller Heranwachsenden. Aber die Teenagerzeit ist nicht nur aufregend. Wie Daniel schon sagte: Die schönsten Momente sind manchmal die in denen nichts passiert und in denen man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Your message

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