CRFF117 – Superagent Frankenstein, Bd. 2: Monster-Bomben

Superagent Frankenstein Bd. 2: Monster-BombenBewertung 9 von 10
Im Gegensatz zum ersten Teil von Superagent Frankenstein „Die Auferstehung der Toten“, ist der zweite Teil „Monster-Bomben“ leider nicht mehr aus der Feder von Jeff Lemire, sondern nunmehr von Matt Kindt, aber was heißt hier leider, hat Matt Kindt doch ganze Arbeit geleistet, er trifft den vorherrschenden Ton, den Lemire geprägt hat, perfekt. Es fällt schwer eine wirklich klare Linie zwischen beiden Autoren in diesem Buch zu ziehen, so nahtlos ist der Übergang. Am Ende hat mich Matt Kindt sogar noch mehr von dieser Serie überzeugt, als es vorher, nach der Lektüre von Band 1, der Fall war. Lediglich im ersten Heft scheint Jeff Lemire, glaubt man den Credits, noch mitgewirkt zu haben, vielleicht hat er aber auch nur den „Stift“ übergeben. So oder so den Geist des Monsters, geschaffen von Victor Frankenstein, können beide lebendig werden lassen. In meinen Augen ein zu Unrecht unterschätztes Buch, dass mehr zu bieten hat, als der erste Eindruck vielleicht suggerieren mag.
Auch der Einstieg in den zweiten Band ist gelungen, behält man den ersten Teil im Hinterkopf, er wirkt nicht gekünstelt oder aufgesetzt, sondern ganz natürlich und fließend.
Es sind mehrere Geschichten in diesem Buch zu finden, vereint jedoch durch einen roten Faden, der diese verbindet, der aber nicht aufdringlich ist, sodass jede Geschichte auch isoliert betrachtet gelesen werden könnte. Es ist sogar nicht einmal zwingend notwendig Band 1 zu lesen, aber gewinnbringender ist es schon, da man dann erst nachvollziehen kann, welchen Groll Frankensteins Monster gegen Vater Zeit, der immer noch im Körper eines kleinen Mädchens gefangen ist, hegt. Die Geschichten sind auch mehr nur einfach oder platte Action, wie es oberflächlich betrachtet vielleicht anmuten mag. Ganz im Gegenteil sie haben einiges an Tiefgang zu bieten, philosophisch und menschlich. Es kommt also auf den Fokus an, die Geschichten können so und so gelesen werden, entweder schnell und oberflächlich mit jeder Menge Action und einer sehr rasanten Story. Liest man sie hingegen bedacht und mit Ruhe, wird man sehen, dass sie unter der rauen und vielleicht groben anmutenden Oberfläche einiges mehr zu bieten haben. Sie vereinen Drama, Action, Abenteuer, Witz und eine Liebesgeschichte, so ein Hauch von Hellboy schwingt also auch hier immer mit.
Insgesamt gibt es in diesen selten langatmige Moment oder Szenen, die sich nach Füllerfolgen anfühlen. Die einzelnen Geschichten sind sehr solide, wenn auch manchmal an sehr abstrusen Schauplätzen, voller wilder und verrückter Ideen.
Besonderes Augenmerk sei auf die NULL Nummer gelenkt, die den Ursprung des Monsters erzählt. Hier werden nun wirklich die Wurzeln, der Geist von Mary Shelley, berührt. Selbst im Hinblick auf die zeichnerische Umsetzung, glaubt man förmlich zu spüren wie traditionell der Ursprung ist. Auch der Konflikt mit seinem Schöpfer und deren Bewältigung, ganz ohne Psychiater, hat einiges zu bieten.
An dieser Stelle ist das Artwork von Alberto Ponticelli wirklich zu loben, selten gibt es Ungereimtheiten, immer eine Fülle an Details ohne dabei aber zu erschlagen, man scheint förmlich die „Old School“ Bleistiftzeichnungen zu sehen, viel Details, sehr dicht und in jeder Hinsicht gelungen.
Leider ist dies auch der letzte Band, nach 16 Heften ist Schluss. Das ist gut und schlecht, gut weil es nun ein absolut empfehlenswerte “Mini Serie” ist, schlecht, weil eben nichts Neues kommen wird. Jedoch wird es nicht das letzte sein, was wir vom sympathischen Monster sehen, denn am Ende des Buches werden Andeutungen gemacht, dass das Monster auch noch in anderen DC Titeln, Solo oder als Crossover auftauchen wird.

Viel Spaß beim Hören.

Superagent Frankenstein, Bd. 2: Monster-Bomben
Autor: Matt Kindt
Zeichner: Alberto Ponticelli
Hardcover: 180 Seiten, farbig
Preis: 16,99 EUR
Verlag: Panini

Podcast Tipp:
Superagent Frankenstein Bd. 1, Die Auferstehung der Toten, die Besprechung dazu

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Superagent Frankenstein, Bd. 1: Die Auferstehung der Toten Superagent Frankenstein Bd. 2: Monster-Bomben

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5 Kommentare

  1. Kevin Fendrich

    Also mir gefällt Justice League Dark sehr. Ich hatte mit den New 52 Comics angefangen, Comics zu lesen und da war die Reihe mal etwas anderes, neben den gewöhnlichen Superhelden Comics. Ich habe Vol. 1 & 2 gelesen und habe auch vor, weiter zu lesen. Frankie hat jedoch, zumindest bis dahin, nur einen kleinen Auftritt. Man sieht zwar, dass er zärtlich ist, aber sonst ist er mehr der Große, Starke, soweit ich noch weiß. Aber wie gesagt, hatte er nur einen kurzen Auftritt in Vol. 2. Vielleicht kommt er in späteren Heften nochmal vor, das weiß ich nicht.

    Verstehe ich richtig, dass man den Comic lesen kann, ohne Bd. 1 gelesen zu haben?

  2. Daniel

    Vielen Dank für den Einblick zu “Justice League Dark”!

    In der Tat, du kannst eigentlich ohne Bedenken mit Band 2 beginnen, die Geschichten sind in sich ziemlich unabhängig, der rote Faden ist zwar da, ein Vorwissen ist aber nicht nötig. Man kann, wenn es einem gefällt, Band 1 also auch nach Band 2 lesen.

  3. Oliver

    Sorry, aber ich möchte mal etwas Fundamentalkritik üben. Ich kann diese Reviews einfach nicht mehr ernst nehmen. Hier wird für meinen Geschmack viel zu unkritisch mit 9er und gar 10er Wertungen herumgeworfen. Mit diesem inflationären Gebrauch der Bestwertungen wird man zwar ein Liebling der Verleger (und die Muster wandern wie durch Zauberhand in den Briefkasten), aber dem gemeinen Comicleser, der einen gewissen Anspruch an seine Lektüre hat, hilft dies kaum weiter. Die Bewertungsskala fängt nicht bei 7 an und die 10 sollte nur für absolute Meisterwerke reserviert sein. Es ist natürlich gut möglich, dass der “Kritiker” dieser Seite tatsächlich und ohne böse Absichten leicht zu entzücken ist. Aber auch unter diesem Gesichtspunkt bin ich hier an der falschen Adresse, um mir eine Meinung bilden zu können.

    • Daniel

      Hallo Oliver, vielen Dank für deine “Fundamentalkritik”, wobei diese vielleicht von der Prämisse ausgeht, dass alles was ich lesen, auch an dieser Stelle in einem Podcast besprochen wird. Was natürlich falsch ist. Den hier wird schon vorher gesiebt, warum soll ich den Hörer mit einer Besprechung langweilen, bei der ich das Buch nicht mag und ich am Ende sagen müsste, ihr habt jetzt 10-20 Minuten Zeit investiert, lediglich um zu erfahren, kauft euch das Buch bitte nicht. Ich ziehe keine Freude daraus und sehe auch für den Hörer keinen Mehrwert, wenn ich ein Buch zerreiße oder schlecht rede. Da gibt es sicher andere Ort, an denen man sich auch über schlechte Comics informieren, wenn man mag. Natürlich sind Bewertungen sehr subjektiv, Comic sind eine Kunstform und jede Bewertung eines kreativen Aktes unterliegt einer bestimmten Form der Analyse und Reflektion, die wiederum anhängig vom jeweiligen Empfängerhorizont ist. Was gut ist oder eben mit deinen Worten ein “absolutes Meisterwerke”, hängt doch auch von der Kategorie ab, so gut jeweils “Moby Dick” und “Pippi Langstrumpf” sind, würden sie doch in der Kategorie des jeweiligen anderen Buches schlecht oder wenigstens schlechter abschneiden. Würde man da nur auf die Punkte schauen, braucht macht man schon mal etwas falsch.
      Es steht natürlich jedem Hörer und Kritiker oder wie du sagen würdest “Kritiker” frei, seine Gedanken und Empfindungen zu den einzelnen Büchern frei zu äußern, dabei kann er dies so analytisch und wissenschaftlich fundiert tun wie es ihm beliebt. Das Beste an dieser Art der Auseinandersetzung mit dem Buch, es wäre für die Hörer und Leser sogar noch ein Mehrwert, aber nur dann, wenn es nicht bei leere Worthülsen bleibt. Ich persönlich würde mich jedenfalls freuen, begründete Meinungen zu hören, warum ein Buch die eine oder andere Note nicht verdient hat.
      Abschließend noch der Hinweis, “Comic Review” ist ein Podcast, den meisten Hörern geht es darum was ich zu einem Buch erzähle oder, man mag es kaum glauben, zu sagen habe. Die Note ist nur von untergeordneter, wenn nicht sogar marginaler Bedeutung. Ich habe oft überlegt sie gänzlich wegzulassen, aber viele Hörer wollen vorher eine grobe Richtung, als solche ist diese dann auch zu verstehen. Wie du sicher schon selbst gehört hast, erfährt man im Podcast sehr gut was mich entzückt und was vielleicht eben nicht so sehr. Also lieber den Podcast hören, als nur auf die Punkte zu schauen.
      In diesem Sinne, hoffentlich bis bald.

    • Hi Oliver, naja, sind halt alles Empfehlungen. Du kannst ja sonst auch mal bei Hunting Down Comics reinhören. Da reden wir auch öfter über Hefte, die uns nicht so gefallen haben…

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