CRFF114 – 100 BULLETS: BRUDER LONO

100 BULLETS: BRUDER LONOBewertung 9 von 10

Dies ist nach allen Maßstäben keine leichte Kost, nicht etwa, weil die Geschichte so unheimlich viel Tiefe aufweist, eher weil sie die Grenzen der Brutalität, für meinen Geschmack, ziemlich weit auslotet. Aber die mexikanische Drogenmafia bewirft sich eben nicht mit Wattebällchen und nichts anderes zeigt dieses Buch am Ende.
Es ist diese schmutzige Welt, die hier förmlich inszeniert wird, in der nichts geschönt ist und in der die Gegensätze nicht größer sein könnten. Dabei streifen wir die ganze Tiefe des 100 Bullets Universum eigentlich nur am Rande. Die eigentliche Handlung ist schnell umrissen, es geht um Drogen, Macht und Freundschaft. Dabei wird die Geschichte durchaus komplex erzählt und viele Figuren werden wie beim Schach in Szene gesetzt, wo Ausgang und Motivation der einzelnen Figuren bis zum Ende unklar sind. Obwohl alles eben diese leicht bekannten Anstrich hat, die Geschichte selbst nicht im Sinne eines Dramas oder eines Thrillers mit Spannung aufwartet, ist das was wirklich zählt die Charakterentwicklung, die Studie des Milieus. Einige Aspekte der Geschichte laden gerade zum philosophieren ein, was etwas seltsam klingen mag, hat jedoch seine Berechtigung, betrachtet man „die Anführer“ der Drogen Kartells, die Zwillinge, wobei dies erst am Ende deutlich wird und ein sehr geschickter Schachzug ist. Insofern, stört scheinbare Geradlinigkeit der Geschichte nicht, denn Spannung wird durch die Interaktion der Charaktere erzeugt.
Wie es im Vorwort vermerkt ist, braucht man die erste 13 Bände von 100 Bullets nicht gelesen zu haben, es ist eine abgeschlossene Mini Serie eigener Art, obwohl die Hauptfigur Lono, regelrecht das Bedürfnis weckt, 100 Bullets im ganzen zu lesen, auch hier hat das Vorwort als recht behalten. Bei der Lektüre schwingt immer die Vergangenheit dieser Figur mit, nicht aufdringlich, eher subtil, aber doch so, dass man sich am Ende fragt, woher kommt dieser Kerl den nun und was stimmt nicht mit ihm. Es gibt Momente da schein diese Figur eher an den Rand der Geschichte zurücken, lediglich ein Aufhänger für die Geschichte oder das verbindende Element zu 100 Bullets zu sein, denn obwohl er wichtig für die Handlung ist, spielt er sich nicht in den Vordergrund und dominiert das geschehen auch nicht wirklich.
Illustriert ist das Buch im typischen Stil eines Eduardo Risso, besonders beeindruckt haben jedoch die Cover der einzelnen 8 Hefte, sakral geprägte Motive, die doch diesen atheistischen Anstrich haben, andere erinnern an alte Filmplakate, zum Bespiel “From Dusk Till Dawn”. Auch der restliche Teil, der also die Geschichte erzählt, lässt einen ein Hauch von Mexiko um die Nase wehen, die Mischung aus zu warm und viel zu schwül schwingt in der Farbpalette in gelb, rot und braun jederzeit mit. Hinzu kommt, dass der Druck auf dem, von mir eigentlich nicht geliebten, leicht glänzenden Papier erfolgt und die Illustrationen dadurch an Lebendigkeit und Tiefe gewinnen. Der Rest der Grafiken filtert nichts, Gewalt wird nicht angedeutet, sie wird gezeigt. Auch aus diesem Grund ist das Buch sicher eher etwas für den reiferen Leser.
Die äußere Aufmachung in dieser Ausgabe von Panini kommt sehr ansprechend daher, Spotlackoptik auf dem Cover, dieser leichte „used“ Look bei den Covern auf und im Buch. Der Bonusteil fällt mit einer handvoll Variantcovern eher dürftig aus, was sich aber in Hinblick auf den Umfang des Comics, alle 8 Hefte dieser Mini-Serie, verschmerzen lässt. Ganz klare Empfehlung daher und eben nicht nur für Fans von “100 Bullets” und nicht verwirren lassen von “Band 14”, es ist und bleibt eine eigenständige Mini Serie.

Viel Spaß beim Hören der Besprechung zu „100 BULLETS: BRUDER LONO“.

100 BULLETS: BRUDER LONO
Autor: Brian Azzarello
Zeichner: Eduardo Risso
Softcover: 196 Seiten, farbig
Preis: 19,99 EUR
Verlag: Panini

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